Schlechte italienische Zombiefilme und die Spieleindustrie haben eines gemeinsam: Manchmal kommen die Toten wieder. Im Kino stöhnen sie dumpf, stinken faulig und löffeln Menschenhirn, und auch die Wiedergänger des Gamebusiness sind für gewöhnlich nur Schatten ihrer selbst. Da sind es dann aber die Konsumenten, die vor Agonie stöhnen beim Anblick der pietätlosen Demontage einst großer Namen. Mit gepflegtem Gruseln erinnert man sich an Commodore, das es nach einstiger Marktführerschaft im Homecomputer-Segment und schliesslicher Insolvenz zu einer Wiederbelebung als Hersteller von Mousepads und CD-Ständern brachte. Oder an Atari, den Initiator und glänzenden Stern des ersten Videospielbooms und jetzigen Hersteller zweitklassiger PC- und Videospiele, die nur Tage nach der Erstveröffentlichung als Ramschware ganze Batterien von Grabbeltischen füllen. Zweifel an der Großartigkeit des reanimierten Microprose sind also berechtigt, vor allem im Hinblick auf die Tatsache, daß der Name vom eben noch gescholtenen Atari gekauft und neu aufgelegt wurde.

Ein erster Blick auf die offizielle Webseite der Firma scheint die Befürchtungen zu bestätigen. Der einstige Hersteller hochklassiger Flugsimulationen und Strategiespiele ist zur Microprose Comsumer Electronics Division mutiert und bietet Elektronikramsch wie Digital-TV Receiver und HDMI-Switche an. Bei genauerem Hinsehen lässt sich aber doch noch eine gewissen Gamingaffinität feststellen. Zum einen hat man Kabel und Zubehör für alle gängigen Konsolen im Programm, zum anderen einige sehr interessante Controller.

Und dann, gut versteckt im Company-Profile, findet sich die wohl interessanteste Information:
"Software development has also begun and an all new line of strategic simulations are on the horizon in the same spirit of quality and exciting gameplay that players expect from Microprose."
Es ist natürlich noch zu früh, um aus dieser Ankündigung zu schliessen, hier käme mehr auf uns zu als grottige Java-Umsetzungen alter Microprosehits für Mobiltelefone, aber im Auge behalten sollte man die Entwicklung vielleicht doch. Schließlich gibt es neben der Darstellung verrottender Kadaver, die sich aus Gräbern wühlen, ja auch noch die Geschichte vom Phönix aus der Asche...