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Impossible Mission

Eines der besten Spiele für den C64 findet seinen Weg auf die Virtual Console des Wii. Wir erklären Euch, warum ihr diesen Titel downloaden müsst...
Geschrieben von Boris Piwowarsky, vor 203 Tagen

Die Weltherrschaft an sich zu reissen ist eine Kleinigkeit, wenn man ein genialer Wissenschaftler ist und über ein entsprechendes Arsenal atomarer Massenvernichtungswaffen verfügt. Man informiert rasch die Öffentlichkeit über die damit verbundenen Forderungen und den Beginn eines sechsstündigen Ultimatums, zieht sich in den zentralen Kontrollraum eines gigantischen unterirdischen Labors zurück und wartet. Die Tür zu diesem Raum darf sich natürlich nur mit drei Zugangskarten öffnen lassen, und weil auch sinistre Superhirne schlechte Fernsehserien sehen, ist ihnen bekannt, dass ein schweigsamer Agent bereits auf dem Weg sein muss, um die schönen Pläne zu durchkreuzen. Darum wird auf der Bösewichteschule gelehrt, dass solche Zugangskarten in kleine Teile zu zerbrechen und diese im ganzen Labor zu verteilen sind. Sie einfach mit in die Sicherheit der uneinnehmbaren Festung zu nehmen, gilt unter Schurken von Kaliber als zu profan, nähme es dem anrückenden Agenten doch jede Motivation, aufgescheucht durch jeden Winkel des Labors zu laufen, und damit der bereitstehenden Armee an Killerrobotern die Möglichkeit, ihn effektvoll zu eliminieren.

Impossible Mission von Epyx bedient all die Klischees, die die Agentenserie Mission:Impossible zum Dauerbrenner auf den Mattscheiben der Welt machte. Nicht umsonst wählte man für das Spiel einen Titel, der an das Erfolgsformat erinnert. Die mit einer Lizenz verbundenen Kosten wollte man aber wohl sparen und so ist es nicht Ethan Hunt, der im Spiel gegen den grösstenwahnsinnigen Elvin Atombender antritt, sondern ein namenloser Agent. Ein Verlust ist das nicht, denn der Titel ist auch so ein Meisterwerk früher digitaler Spielekunst.

Das beginnt mit der Sprachausgabe des Spiels, die bei seinem Erscheinen 1984 zu atemlosen Staunen führte. Epyx hatte in Samples der Firma Electronic Speech Systems investiert, die damals Marktführer in Sachen elektronischer Sprache waren und speziell dem SID aus minimalem Datenvolumen verblüffend natürliche Stimmen entlockte. So lief wohl jedem bei der hämischen Begrüssung des wahnsinnigen Elvin Atombender ein kalter Schauer über den Rücken. „Another visitor. Stay a while, stay forever!“ Das romanartige Geschwätz moderner Computerspiele hat im Erinnerungsvermögen der Spieler eine Halbwertszeit von Sekunden, dieser eine Satz jedoch bleibt unvergessen als Initialzündung verbaler Boshaftigkeit in digitalen Welten. Viele Spieler starteten das Spiel immer wieder aufs Neue, nur um sich daran satt zu hören, oder steuerten die Spielfigur wiederholt in einen Abgrund, weil der martialische Todesschrei sie so begeisterte. Großartig.

Dazu verwöhnte das Spiel mit erstaunlich realistischen Animationen. Das Laufen und der Salto der Spielfigur wirkten äusserst lebensecht und geschmeidig. Epyx bediente sich hier augenscheinlich bei den aufwändigen Animationen, die für das im gleichen Jahr erschienene Summer Games erstellt wurden. Die perfekte Steuerung erlaubte pixelgenaue Sprünge und geübte Spieler beherrschten den Schritt in den Abgrund, um dann Sekundenbruchteile vor dem Absturz doch noch abzuspringen und auf den Zehenspitzen auf einer weit entfernten Plattform zu landen. 

Aufgabe des Spielers war es nun, durch die mit Aufzügen verbundenen Räume das Labors zu streifen und die Bruchstücke der Zugangskarten und den Eingang zum Kontrollraum zu finden. Dazu mussten verschiedene Einrichtungsgegenstände durchsucht werden, was unterschiedlich lange dauern konnte. Klar, ein Blick in eine Toilettenschüssel geht schneller als das Durchstöbern der 12 Schubladen einer Kommode.

Erschwert wurde die Suchaktion von den Wachrobotern, die durch die Räume patroullierten. Die Blechgesellen waren unterschiedlich programmiert, so dass einige nur stoisch ihre Bahnen zogen, um den Spieler bei Berührung mit Elektroschocks zu grillen, während andere aggressiv auf den Spieler zurasten und dabei mit Blitzen auf ihn schossen. Bei einigen Maschinen startete das Vernichtungsprogramm erst, wenn sie den Spieler zum ersten mal sahen, andere blickten während ihres Rundganges ab und an über die Schulter, um dann plötzlich zu einem Rammangriff nach hinten anzusetzen, wenn sie den Spieler entdeckten. Ohne vorherige Beobachtung und sorgfältige Planung des Vorgehens waren die Räume kaum zu  meistern. Und auch ein Auswendiglernen entfiel, da das Spiel bei jedem Start nicht nur ein neues Labor zusammensetzte, indem es die Räume anders anordnete, sondern auch den Robotern ein neues Verhalten programmierte. Man spielte also jedes Mal ein komplett anderes Spiel, und Räume, die beim letzten Anlauf noch problemlos zu meistern waren, stellten auf einmal eine schier unüberwindbare Hürde dar. Um allzu unfaire Stellen zu entschärfen, konnten Codekarten gefunden und an Computerterminals in jedem Raum zum Bewegen von Plattformen oder dem temporären Stilllegen von Robotern genutzt werden. Trotzdem waren jederzeit Geschicklichkeit und Timing nötig, um den aggressiven Eimern nicht zum Opfer zu fallen. Während der Spieler nämlich keine begrenzte Anzahl Leben hatte, wie das in anderen Spielen üblich war, so kostete jedes Ableben zehn Minuten von den verfügbaren sechs Stunden, und schnell geriet man so Zeitnot.

Hatte man nun Bruchstücke der Zugangskarten gefunden, galt es diese mit Hilfe eines Armbandcomputers zusammenzusetzen. Das entpuppte sich als ausgesprochen knifflig, weil die Bruchstücke sehr filigran waren und sich durchaus auch Teile kombinieren liessen, die eigentlich nicht zusammengehörten. Opferte man weitere zwei Minuten von der verfügbaren Spielzeit, so konnte man wenigstens bei der Einsatzzentrale abfragen, ob alle nötigen Teile zur Verfügung standen. Waren dann alle Karten zusammengesetzt, konnte die grosse Tür zum Kontrollraum geöffnet und dem irren Professor in die Suppe gespuckt werden, wobei man zum ersten Mal sah, wer einen zu Beginn des Spieles so unfreundlich begrüsst hatte.

Impossible Mission ist einer der C64-Titel, die seit dem 11.04.2008 auf Nintendos Wii für die Virtual Console herunterladbar sind. Da das Spiel in einer Emulation läuft, gibt es im Gegensatz zu dem Ende letzten Jahres für PSP und Nintendo DS erschienenen Remake zu 100% das originale Spielgefühl. Letzteres bot zwar neben einer grafisch aufgepeppten Version auch das originale Grafikset, spielte sich aber in Nuancen anders. 500 Wii-Points werden für das Spiel fällig, aber während bei anderen Titeln die Diskussion ob eines vermeintlich überhöhten Preises für solch alte Spiele gerechtfertigt sein mag, muss es hier heissen: KLAPPE HALTEN, KAUFEN! Das Game ist auch nach heutigen Maßstäben noch ein Spielspaßkracher und ein Genuß wie ein gut gealterter Rotwein.

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Publisher: EPYX
Entwickler: EPYX
Genre: Action
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 Bruce Lee (Datasoft)
Eingetragen am:  4.05.2008 19:36
Author:  Boris Piwowarsky
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