Beijing 2008, das offizielle Spiel zu den olympischen Spielen, hat bereits viel versprochen und leider nur wenig gehalten. Dtp Entertainment beschreitet mit dem inoffiziellen Spiel Summer Athletics einen ähnlichen Weg. In einem Punkt nehmen sich beide Titel nicht viel: Es gibt viele Stärken, wobei die Schwächen leider stark ins Gewicht fallen.

Die Präsentation der einzelnen Sportarten ist zweckmäßig – man merkt sofort, dass die offizielle Lizenz für die olympischen Spiele nicht vorhanden ist. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig etwas Schlechtes. Das Menüdesign und die Vorbereitung auf die einzelnen Disziplinen sind simpel, stören den Spielfluss nicht und fördern, vor allem in Kombination mit den relativ kurzen Ladezeiten, die Jagd nach dem nächsten Highscore.
Der Kern eines guten Sportspiels ist die Steuerung. Leider hinterlässt Summer Athletics einen nicht gerade positiven Eindruck, vor allem die Xbox 360-Version kann wenig überzeugen. Der Großteil der Aufgaben erfordert das Verwenden der Analogsticks. Selbst der 100-m-Lauf, in Beijing 2008 noch eines der Highlights, verkommt durch das Rütteln des rechten Analogsticks zu einer Farce. Nicht selten kommt es vor, dass im Eifer des Gefechts ein Abrutschen der Finger unvermeidbar ist. Diese Variante ist wenig intuitiv und hätte mit einer besseren Programmierung verhindert werden können.

Die Wii-Fassung von Summer Athletics steuert sich zumindest etwas besser. Der 100-m-Lauf, die Königsdisziplin in der Leichtathletik, wird mit schnellen Bewegungen der Wii-Mote ausgeführt. Weitere Disziplinen erfordern neben dieser körperlichen Anstrengung auch zielgenaue Eingaben. Das größte Problem ist die ungenaue Abfrage. Es gibt nichts Nervigeres, als einen Versuch aufgrund nicht erkannter Bewegungen zu wiederholen. Leider ist dieses Phänomen kein Einzelfall, regelmäßige Schwierigkeiten sind an der Tagesordnung. Im Mehrspieler-Modus und bei der Highscore-Jagd ist dies natürlich besonders ärgerlich.
Die mehr als 25 Disziplinen beinhalten neben Leichtathletik, Radsport, Bogenschießen, Turmspringen und anderen Standard-Sportarten keine Experimente. Versuchte sich Beijing 2008 noch vergeblich an Tischtennis und Judo, bietet Summer Athletics keine derartigen Möglichkeiten. Ein großer Vorteil an dem reduzierten Umfang ist die geringe Quote an Totalausfällen. Nahezu jede Disziplin macht zumindest ein wenig Spaß – kein Vergleich zu einigen Design-Verbrechen in Segas offiziellem Spiel.

Eine interessante Option ist die Wahl zwischen dem Arcade- und dem Sport-Modus. Während die reguläre Variante ohne Extras auskommt, gibt es in der Arcade-Variante ‚Boosts’, die kurzfristig die Leistung der virtuellen Athleten erhöhen. Beim Bogenschießen ist aufgrund der schwierigen Windverhältnisse und der natürlichen Nervosität ein ruhiges Zielen unmöglich. Die im Sport-Modus verbotene Leistungssteigerung ermöglicht ein komplett störungsfreies Zielen. Der Einsatz dieses Features ist begrenzt und begründet ein nicht zu unterschätzendes taktisches Element: Im Kampf mit den bis zu vier menschlichen Mitspielern will die Anwendung wohl überlegt sein.
Summer Athletics ist in erster Linie ein Spiel, das für die Highscore-Jagd gedacht ist. Der flexible Schwierigkeitsgrad ermöglicht es, wirklich jedem ein Erfolgserlebnis zu verschaffen. Richtig spaßig ist die Möglichkeit, eigene Wettkämpfe erstellen zu können. Mario Kart Wii macht es ähnlich: Die Spieler suchen sich einzelne Bewerbe aus und kombinieren diese zu einem Turnier. Dtp Entertainment versteht es, Mehrspieler-Action möglichst unkompliziert auf den Bildschirm zu bringen. Der eigentliche Hauptmodus, die umfangreiche Karriere, spielt sich wenig spektakulär und motiviert nicht längerfristig. Der Spielcharakter, der vom Spieler selbst erstellt wird, startet mit geringen Fähigkeiten und steigert diese durch das Meistern der olympischen Disziplinen.