Kaum ein Genre ist heute, sowohl für Einzel- als auch für Mehrspieler, so beliebt wie das der Ego-Shooter. Doch der Markt ist hart umkämpft. Neben zahlreichen Spielen, die allesamt dem "Schema F" folgen, findet sich von Zeit zu Zeit ein Titel, der die Karten neu mischt und das Genre voran treibt. Im Jahr 2002 gelang dem, damals noch unbekannten, schwedischen Entwicklerteam Digital Illusions CE, kurz DICE, mit Battlefield 1942 der grosse Wurf und die Gewohnheiten der PC Spieler mit Vorliebe für Online Duelle sollten sich in Folge rapide ändern. Heute, sechs Jahre und zahlreiche Neuauflagen des Konzepts von BF 1942 später, versuchen die Schweden es erneut, diesmal exklusiv fuer PS3 und Xbox 360.
Konsolenspielern sollte Battlefield 2: Modern Combat noch ein Begriff sein. Trotz schlechterer Technik und, im Vergleich zur grandiosen PC Version, abgespecktem Gameplay konnte sich der Mehrspieler Modus eine treue Fangemeinde aufbauen, während Einzelspieler mit einer Kampagne, in der Online Gefechte mehr schlecht als recht simuliert wurden, leer ausgingen. Die Ankündigung, mit Bad Company erstmals den Fokus auf einen Einzelspielermodus mit kinoreifer Story zu legen, kam daher ebenso überraschend wie gern gesehen. Doch damit nicht genug: Während man es bisher gewohnt war, sein virtuelles Alter Ego durch statische Umgebungen zu scheuchen, sollte jetzt, dank eigens entwicklter „Frostbite Engine“ nahezu alles zerstörbar sein. Dunkel erinnert man sich an Red Faction fuer PS2 und PC, das sich ähnliche Ziele steckte und gerade noch damit durch kam. Aber immer schön eins nach dem anderen.
In nicht allzu schlechter Gesellschaft
Im Einzelspielermodus, aufgeteilt in sieben Kapitel mit insgesamt rund 10 Stunden Spielzeit, schlüpft man in die Rolle von Private Preston Marlowe, der sich in der Army unbeliebt gemacht hat und zur Strafe in die B-Company versetzt wird um einer Bande von anderen Taugenichtsen Gesellschaft zu leisten. Nach anfänglicher Skepsis stellen sich die Kollegen jedoch als durchaus liebenswert heraus und während man zu Beginn strikt die Befehle aus dem Hauptquartier bevolgt, bekommt der Krieg in diesem unvertrauten Ostblockstaat nach der feindlichen Begegnung mit einem Haufen von Söldnern und deren Goldbarren fuer unsere Truppe eine neue Bedeutung.

Doch beinahe unvermeindbar muss man sagen: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Während nach einem kurzen Tutorial die ersten Aufträge noch abwechslungsreich erscheinen und die humorvollen Dialoge der Kollegen in den ersten Minuten noch nicht aufgesetzt wirken, stellt sich schnell heraus, dass von der angepriesenen Freiheit auf dem Frostbite Schlachtfeld wenig übrig geblieben ist. Die zu Beginn noch imposanten, riesigen Areale werden erst von Missionsziel zu Missionsziel stückchenweise begehbar und bestehen zum Grossteil aus immer wieder kehrenden Dörfern mit trister Architektur und postapokalyptischer Leere.
...technisch [ist] wirklich alles für ein großartiges Spiel gegeben...
Taktisches Vorgehen macht Dank gleichzeitig getriggerten, anonymen Gegnerhorden mit schlecht agierender KI wenig Sinn. Oftmals ist es einfacher, wenn möglich, Konfrontationen aus dem Weg zu gehen und stur Richtung Missionsziel zu rennen. Unsere drei Kollegen stoert das wenig, greifen sie doch selten eigenständig ins Geschehen ein, sondern laufen lieber belanglos und quasselnd hinterher. Ein Co-op Modus hätte hier Wunder bewirken können, wurde jedoch vollkommen unverständlicherweise nicht eingebaut.
Während technisch mit stellenweise beeindruckender Grafik, der hervorragend simulierten, zerstörbaren Umgebung und einem Sound, für den die Bezeichnung „Referenz“ geschaffen wurde, wirklich alles für ein großartiges Spiel gegeben ist, scheitert die Kampagne an belanglosen Gefechten und kurioserweise an fehlender, spielerischer Freiheit. Mit ständig wechselnden Aufträgen, ob zu Lande, zu Wasser oder in der Luft, versucht Bad Company alles, um den Eindruck zu erwecken, anders und frisch zu sein. Diese Abwechslung wird jedoch von den immer wieder kehrenden Feuergefechten gebremst und reicht nur in seltenen Momenten über das gefürchtete Mittelmass hinaus. Zwischen riesigen Karten und repetiver Action kann sich das Spiel nicht entscheiden, ob es offene Umgebungen simulieren oder den Spieler auf eine gescriptete Achterbahnfahrt à la Call of Duty einladen soll.
We are running low on reinforcements
Auch im Mehrspielermodus bestreitet Bad Company neue Wege. Erstmals in der Geschichte eines Battlefield Titels werden online keine Fahnen im Eroberungsmodus eingenommen, sondern auch hier dreht sich ab sofort alles um Gold. Der neue „Goldrush“ Modus basiert dabei auf dem simplen, jedoch spannenden Prinzip von Angriff und Verteidigung. Maximal 24 Spieler werden auf insgesamt acht weitläufigen Karten in zwei Teams aufgeteilt und einer Basis zugewiesen. Team Nr.1 bekommt die Aufgabe, zwei in der eigenen Basis positionierte Goldkisten zu halten, während Team Nr.2 alles darauf setzen muss, beide Kisten vor Ablauf der Zeit zu zerstoeren. Sollten die Angreifer Erfolg haben, werden bisher abgesperrte Bereiche der Karte geöffnet und beiden Teams eine neue Basis zugewiesen. Die Anzahl der Basen ist dabei von der Größe der Mehrspielerkarte abhängig und das Gameplay vereint von Häuserkämpfen bis Panzer- und Luftschlachten sowie dem gewohnt gut ausbalanciertem Klassensystem alle Tugenden der Battlefield Serie.

Die Frostbite Engine spielt hier eine wesentlich größere Rolle, als in der Einzelspielerkampagne. War es bislang noch vollkommen sicher, sich vor einem anrollenden, feindlichen Panzer in einem Haus zu verstecken ist jetzt wegen der zerstörbaren Umgebung deutlich vorsichtigeres Vorgehen per pedes gefragt. Aber natürlich haben auch Fußgäenger nachwievor mit Hilfe von stationären Geschützen und satellitengesteuerter Artillerie genügend Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen.
...das Lobbysystem [ist] nicht etwa verbuggt, sondern schlicht und ergreifend nicht existent
Auch wegen der teilweise gigantischen Größe der Karten kommt hier wirklich jede Art von Spielertyp auf seine Kosten. Egal ob man gerne ungesehen über das Schlachtfeld schleichen möchte oder mit brachialer Gewalt Häuserwänden und Landschaft eine persönliche Note verpassen will, die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt.
Leider bleibt auch beim Mehrspielermodus die Kritik nicht aus und ausgerechnet nervige Schlampigkeiten und das Ignorieren längst etablierter Standards werden viele enttäuschen, die darauf gehofft hatten, dass mit Bad Company die ewig dominierenden Multiplayer-Koenige Call of Duty 4 und Halo 3 endlich vom Thron gestossen werden. So ist beispielsweise das Lobbysystem nicht etwa verbuggt, sondern schlicht und ergreifend nicht existent. Nach dem Einloggen hat man die Möglichkeit, die gewünschte Map in einem ranked oder unranked Match zu betreten und wird kurz darauf automatisch einen Server zugewiesen. Weiteren Einfluss auf die Serverwahl hat man nicht.
Während Einzelgänger diese unkomfortable Lösung noch in Kauf nehmen können, schauen Spielergruppen oder gar Clans komplett in die Röhre. Das Spiel läßt einem die Option, ein vier Mann starkes Squad zu formen. Jeder Freund darüber hinaus kann zwar selbstverständlich einen eigenen Trupp bilden, ob beide Squads dann jedoch im gleichen Spiel landen, ist aufgrund des fehlenden Serverbrowsers Glückssache. Aber selbst wenn, der Voicechat funktioniert nur innerhalb der Gruppe. Von den anderen acht Teammitgliedern ist man in puncto Kommunikation komplett abgeschnitten. Desweiteren sitzt im Voicechat der PS3 Version momentan noch ein Bug, der die Sprachübertragung nach etwa 30 Minuten Spielzeit lahm legt.
Glücklicherweise arbeitet DICE momentan an einer Lösung fuer all diese Probleme in Form eines Patches und auch der von Battlefield Fans geliebte Conquest Modus soll ebenfalls bald zum kostenlosen Download nachgeschoben werden.